01 Okt

Die Osnabrücker Stadtlegge

Was ist die Legge?
Die Stadtlegge von Osnabrück findet zum ersten Mal um 1404 Erwähnung. Sie diente der Qualitätsmessung- und -sicherung des Leinens, das in Osnabrück und im Osnabrücker Land hergestellt wurde. Indem die Legge sogenannte Leggeordnungen herausgab, in denen Vorschriften zur standardisierten Produktion und Verpackung des Leinens festgehalten waren, sollte eine Sicherung der Qualität erfolgen. Weiterhin musste das fertiggestellte und abgepackte Leinen zur Qualitätskontrolle zur Legge gebracht werden. Hier wurde es vermessen, in verschiedene Qualitätsstufen eingeteilt, erhielt ein Qualitätssiegel und wurde danach zum Verkauf freigegeben.

Wohin wurde das Osnabrücker Leinen verkauft?
Das Osnabrücker Leinen wurde lange Zeit fast nur ins Ausland verkauft. Dabei spielten die Kolonialisierung und der Sklavenhandel bei der Verbreitung des Leinens eine große Rolle. Das Osnabrücker Leinen wurde dabei in England „True Born Osnabrughs“ und in Spanien „Coletas“ genannt und nach dem Verkauf in die Kolonien nach Indien, Mittel-, und Südamerika verschifft. Hier war das Leinen ein beliebter Stoff für die Bekleidung. Zur Zeit des Sklavenhandels im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Osnabrücker Leinen dann auch zur Bekleidung der Sklaven in Nordamerika eingesetzt. Besonders beliebt war es, da es günstig und sehr haltbar war. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts sanken die Verkaufszahlen des Leinens ins Ausland immer mehr und das Osnabrücker Leinen wurde hauptsächlich im Inland im Industriebezirk Rheinland und Westfalen gekauft.

Hatte die Osnabrücker Stadtlegge Konkurrenz?
Da das Leinen, welches von der Osnabrücker Stadtlegge geprüft und mit einem speziellen Siegel versehen wurde, sehr beliebt war und im Ausland 20 % mehr Gewinn einbrachte als anderes Leinen aus Norddeutschland, gab es einige Versuche das Osnabrücker Siegel zu fälschen. So erhoffte man sich mit minderwertigerer Qualität einen höheren Gewinn zu erzielen. Oftmals wurden die Fälschungen aber entdeckt und sie stellten keine reale Bedrohung für die Stadtlegge dar.
In Zeiten aber, in denen die Stadtlegge zum Beispiel durch die Nichteinhaltung der Leggeordnung oder hohe Zollgebühren im Ausland geschwächt war, entstanden vermehrt Privatleggen im Osnabrücker Umland. Sie nutzen den schlechten Ruf der Stadtlegge und prüften und verkauften das Leinen nach ihren eigenen Maßstäben und Preisen.
Der Niedergang der Stadtlegge entstand aber nicht durch die Konkurrenz anderer Leggen sondern durch den Wettbewerb zwischen manuell und maschinell gefertigtem Leinen. Als im 19. Jahrhundert die maschinelle Textilherstellung eine immer größere Bedeutung erfuhr, ging die Produktion manuell gefertigten Leinens, welcher einer Qualitätsprüfung durch die Legge bedurfte, immer weiter zurück, so dass die Stadtlegge nach und nach ihre Funktion verlor, bis sie 1902 ganz geschlossen wurde.